der arbeitsmarkt | 06/2012 | Text: Reto Rauber

Mehr als nur die Waffenschmiede des Bundes

Die Ruag wird von einer breiten Öffentlichkeit als Rüstungsfirma des Bundes wahrgenommen. In den letzten Jahren hat sich der Betrieb zu einem international tätigen Technologiekonzern entwickelt. Neben Wehr- und Sicherheitstechnik werden auch Komponenten für die zivile Luft- und Raumfahrt produziert.

Verwandte Infos
Fünf Divisionen

Das Gelände des Ruag-Standorts in Emmen und der Militärflugplatz sind kilometerlang umzäunt. Eine Sicherheitsschleuse verhindert den direkten Zugang. «RUAG – Together ahead» steht am Hauptgebäude in grossen Lettern geschrieben. Es ist das neue Logo des Konzerns, in den Farben Violett und Blau gehalten. Die Ruag-Gruppe hat im März einen neuen Markenauftritt lanciert, weil sie nicht mehr als militärische Rüstungsfirma gesehen und verstanden werden will, sondern als global tätiger Technologiekonzern. «Unsere neue Marke wird dafür sorgen, dass die Ruag weltweit verstärkt als eine dynamische Technologiegruppe für die Luft- und Raumfahrt sowie für die Sicherheits- und Wehrtechnik wahrgenommen wird», sagte der Verwaltungsratspräsident Konrad Peter an der Bilanzmedienkonferenz diesen Frühling.

Die Belegschaft steht hinter dem neuen Konzept des Konzerns. So sagt Jeannette Tanner, Personalentwicklerin und berufsbildungsverantwortliche Kauffrau: «Es ist wichtig, dass sich die Ruag öffnet.» Das diene der Sicherung von Arbeitsplätzen in der Schweiz. Gleich sehen es Thomas Herter und Andreas Steiger. Herter arbeitet als Abteilungsleiter bei der Flugzeugwartung, und Steiger ist Ingenieur. Er ist vor allem für das Design und die Konstruktion von Komponenten des Super-Puma-Helikopters der Schweizer Armee zuständig und sieht die Weiterentwicklung der Ruag positiv, weil die Geschäftsleitung den Fokus vermehrt aufs Ausland richtet. Alle drei Ruag-Beschäftigten arbeiten seit Jahren am Standort in Emmen. Für Ruag-Mediensprecher Jiri Paukert ist die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern eminent wichtig. «Das Wachstumspotenzial liegt in erster Linie im Ausland.»

Imposante Kampfjets

Die grossen und hoch gebauten Hallen in Emmen sind sauber und hell. Mitarbeitende in blauen Arbeitskleidern schrauben an Motoren, Triebwerken und Flügelteilen. Die Techniker und Mechaniker arbeiten präzise und konzentriert und lassen sich kaum auf Diskussionen ein. Wenige Meter weiter stehen F/A-18. Die Kampfflugzeuge, die aufgrund ihres Designs auch «Hornissen» genannt werden, sind imposant. «Wir erhalten viele Anfragen für Besichtigungstouren», sagt Jiri Paukert. Die Wartungs- und Unterhaltsarbeiten am F/A-18 werden ausschliesslich in Emmen ausgeführt. An einer Maschine sind gleich mehrere Mechaniker tätig. Sie klettern aufs Flugzeug, entfernen Teile und schrauben neue an, ersetzen Metallbleche.

Die Ruag ist ein Betrieb des Bundes, der unternehmerisch selbständig operiert. Der Umsatz belief sich im Jahr 2011 auf 1,8 Milliarden Franken, hälftig auf die zivile und die militärische Sparte verteilt. Die Gruppe erwirtschaftete einen Gewinn von 97 Millionen Franken, 59 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mit der Schweizer Armee ist nach wie vor der grösste Einzelkunde mit 37 Prozent des Umsatzes. Vor zehn Jahren war der Anteil bei 98 Prozent, was die Öffnung des Unternehmens eindrücklich zeigt. Hauptmärkte sind heute die Schweiz, Europa, Amerika und Asien. Im letzten Jahr hat die Ruag mit 53 Prozent im Ausland mehr Umsatz generiert als in der Schweiz (siehe Grafik).

Software zur Flugdatenüberwachung

«Mehr zivile und militärische Geschäfte im Ausland sind essenziell für die Ruag, um wirtschaftlich und profitabel zu sein und das Technologie-Know-how auf hohem Niveau zu sichern», sagt Jiri Paukert. Davon würden die Schweizer Armee und die Schweizer Wirtschaft profitieren. «Dies durch ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und die Stabilisierung von Arbeitsplätzen in der Schweiz, weil weitere Kunden das Know-how und das Angebot der Ruag nutzen.» Neben Behörden und Streitkräften sind dies zum Beispiel die Flugzeughersteller Airbus, Boeing, Bombardier und Dassault. «Sämtliche Flügelenden der zivilen Airbus-Modelle werden von der Ruag in Emmen hergestellt», sagt Jiri Paukert. Aktuell arbeitet die Ruag unter anderem daran, die Produktionsraten für Rumpfsektionen und Flügelenden zu steigern, sowie an einer Nutzlastverkleidung für die europäische Trägerrakete Vega.

«Wir haben zahlreiche wichtige und spannende Projekte und Programme in der nahen Zukunft», sagt Paukert. So entwickelt die Ruag eine Software zur Flugdatenüberwachung, da das französische Unternehmen Dassault Aviation zum bevorzugten Lieferanten für alle Geschäftsflugzeuge des Typs Falcon bestimmt worden ist. Für Airbus erprobt die Ruag ein neuartiges Schweissverfahren, mit dem Leichtmetalle ohne Nieten und mit wesentlichen Gewichtseinsparungen fest verbunden werden können. Das Laser-Trainingssystem Gladiator wird für die Ausbildung von Armeen und Behörden weiterentwickelt.

Ruag Holding AG

Standorte Die Ruag AG wurde 1998 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Bern. Sie ist in der Schweiz an mehreren Standorten tätig und ein bedeutender Arbeitgeber in der Zentralschweiz mit Betrieben in Emmen, Stans, Alpnach und Altdorf. Weiter ist die Ruag in Bern, Thun, Interlaken sowie in Zürich tätig. Im Ausland hat der Technologiekonzern Produktionsstandorte in Deutschland, Schweden, Österreich, Ungarn und den USA.

Mitarbeitende Weltweit beschäftigt die Ruag 7700 Mitarbeitende, davon rund 5000 in der Schweiz (Ende 2011). In der Zentralschweiz und im Kanton Bern sind je rund 2000 Angestellte tätig.

Berufe Beim Technologiekonzern arbeiten die unterschiedlichsten Fachkräfte, wie Polymechaniker, Elektroniker, Kaufleute, Konstrukteure, Informatiker, Logistiker, Ingenieure, Industriemechaniker, Anlage- und Apparatebauer und Automatiker. Gegen zehn Prozent der Belegschaft in der Schweiz machen Lernende aus. Die Ruag arbeitet eng mit den Stiftungen Swissmem und Swiss Skills zusammen. www.ruag.com

 
 
 

Archiv-/Themen-Suche