der arbeitsmarkt | 30.01.2012 | Text: Eliane Maggi
Roger Jean Rebmann alias «Grabmacherjoggi», 43, Stadtführer
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Nicht so gut, ich habe mir vor kurzem eine Erkältung zugezogen. Weil ich als «Grabmacherjoggi», einem historischen Totengräber, Touristen durch Basel führe, ist dies ungünstig. Morgen Abend stehen gleich zwei Rundgänge hintereinander an, bei denen meine Stimme trotz Halsbeschwerden standhalten muss. Führungen halte ich natürlich immer ab, unabhängig von meinem körperlichen Zustand. Einmal ging ich beispielsweise direkt aus dem Spital auf Tour: Ein Glassplitter, der in einem Gartenstuhl steckte, musste mir in der Notaufnahme an einer delikaten Körperstelle entfernt werden. Der Arzt gab mir auf den Weg, dass nach drei Tagen liegen alles wieder in Ordnung sei. Nun, er hatte nicht erwähnt, wann ich mit dem Liegen beginnen solle …
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Einerseits gefällt mir die Auseinandersetzung mit Basels Historie, die ich seit Jahren in allen Facetten ergründe. Ich publiziere sie auf der Homepage altbasel.ch und habe bereits ein Buch darüber verfasst. Andererseits schätze ich die Begegnungen mit den verschiedensten Menschen anlässlich meiner unkonventionellen Stadtführungen. Hier bin ich auch selbst gefordert, denn ich muss mich jeweils individuell darauf einstellen und stetig an mir persönlich arbeiten. Jede Führung ist anders, ich baue auch ständig aktuelle Themen ein. Ich verstehe mich als Dienstleister, der den Menschen gerne etwas gibt.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Die Häufung von Baustellen, die stellenweise zu einem wahren Eiertanz für einen alten Stadtführer wird. Holzwände, Planen und die sattsam bekannten rot-weissen Absperrlatten verbarrikadieren so manchen Weg, den ich einzuschlagen gedenke. Mein Improvisationsgeschick ist wirklich oft gefordert! Diese Hässlichkeiten, die meine geliebte Stadt derart entstellen, scheinen in Gruppen formiert aufzutreten und verwehren hartnäckig den Blick auf schöne Dinge.
Welchen Stellenwert hat Arbeit in Ihrem Leben?
Die Arbeit steht bei mir etwa an vierter Stelle. Die zwei ersten Plätze belegen meine Frau und mein Sohn, ohne Zuweisung eines Ranges. Danach steht auf Platz drei, ganz egoistisch, mein persönliches Wohlergehen. Nur wenn es mir gut geht, kann ich gute Führungen halten. Daher sorge ich für meine Zufriedenheit, schaffe mir mein eigenes Glück. Diese Basis befruchtet alle meine Tätigkeiten.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Nein. So wie das Verhältnis derzeit ist, stimmt es für mich. Ich bin bestrebt, immer aktiv zu sein, und wenn es nur darum geht, mit meinem Sohn kleine Männchen anzumalen oder etwas zu zeichnen. Ich schaffe gerne Neues, sei es Vergängliches oder Dauerhaftes. Ich bin privilegiert durch den Beruf, den ich ausübe. Er macht mich zwar nicht reich, aber er ermöglicht mir das, was für uns zählt: das familiäre Glück.