der arbeitsmarkt | 12.09.2011 | Text: Maria Savoldelli

Blitzlicht

Pia Barmettler, 52, Leiterin der Krippe Heusser-Staub in Uster

Blitzlicht

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Gut, denn ich habe mich sehr darüber gefreut, zum ersten Mal nach den Ferien wieder eine Sitzung mit den Gruppenleiterinnen durchzuführen. Einmal pro Woche kommen die Leiterinnen zusammen und besprechen, was aktuell ansteht. Zum Beispiel, welche Themen die Betreuungspersonen mit den Kindern gestalten möchten. Vom Bauernhof bis zur Unterwasserwelt ist alles möglich. Oder wir besprechen die Organisation von Anlässen. Ein wichtiger Punkt ist jeweils, wie sich die Kinder im Krippenalltag zurechtfinden, ob Kinder momentan Schwierigkeiten haben.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Meinen Job finde ich ausgesprochen vielseitig. Ich habe Kontakt zu den Kindern, führe das Personal, gebe Lernenden mein Wissen weiter, führe Gespräche mit den Eltern und vertrete die Krippe gegenüber den Behörden und Ämtern. Ich bin seit zwanzig Jahren Krippenleiterin. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich so lange bleiben würde. Spannend ist, dass immer neue Herausforderungen auf mich zukommen, die ich meistern darf.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?

Ich habe nie genug Zeit, um meine Arbeit zu erledigen. Einerseits muss ich den Ansprüchen aller Ansprechpartner gerecht werden. Andererseits möchte ich die pädagogischen Ziele, die ich zusammen mit dem Personal umsetzen möchte, nicht vernachlässigen. Denn die pädagogische Betreuung der Kinder ist eigentlich das Zentrale an unserer Arbeit.

Welchen Stellenwert hat Arbeit in Ihrem Leben?

Früher hatte Arbeit einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben. Jetzt, nachdem mich meine Gesundheit eines Besseren belehrt hat, steht Arbeit nicht mehr an erster Stelle. Ich empfinde die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit als Balanceakt. Die Arbeit als Krippenleiterin braucht viel Ressourcen. Daher ist es wichtig, dass ich in meiner freien Zeit wieder Energie auftanke.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?

Ich möchte seit langem mein Vollzeitpensum auf achtzig Prozent reduzieren. Dies ist aber in nächster Zeit nicht möglich. Der Arbeitsmarkt ist im Krippenbereich völlig ausgetrocknet. Gutes Personal zu finden, ist schwierig. Lernende hat es viele, doch die ausgelernten, jungen Leute wollen nach ein paar Jahren etwas anderes machen. Der niedrige Lohn mag auch ein Grund sein, dass etliche aussteigen. Solange ich nicht genügend qualifiziertes Personal habe, kann ich mein Pensum nicht verringern.

 
 
 

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