der arbeitsmarkt | 19.08.2010 | Text: Doris Braun

Blitzlicht

Bettina Strehler, 45, Geschäftsinhaberin Malerbedarf, Zürich

Blitzlicht
Foto: Simone Gloor

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Sehr gut. Ich habe das Privileg, auch einmal liegen bleiben zu können. Ich brauche
keinen Wecker, weil mein Sohn Michel das Geschäft um 8.30 Uhr aufmacht und es
freut mich immer wieder zu sehen, dass danach trotzdem alles klappt. Dies ist ein
Vorteil des Selbständigseins.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?

Ich mag es nicht, wenn Vertreter unangemeldet hereinplatzen, weil sie angeblich in
der Nähe waren und nur 5 Minuten Aufmerksamkeit brauchen, nach einer halben
Stunde aber immer noch da sind. Gegen den Strich gehen mir auch Kunden, die
ungeduldig sind, oder für die alles unheimlich pressiert. Wohlgemerkt: Ich reisse mir
gerne ein Bein aus, organisiere Spezialwünsche oder mische Farben nach
Ladenschluss. Stehen die dringlichen Sachen dann aber zwei Monate herum, ärgert
mich das. Leider kann ich es nicht steuern; die Leute kommen, wenn sie kommen
wollen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Das Schönste an meinem Job ist, dass ich von A bis Z alles selber nach meinem
Gusto gestalten kann: Die Öffnungszeiten, den Einkauf, die Präsentation im
Schaufenster. Ich bin die Chefin. Mein Vater, der mir das Geschäft übergeben hat,
hilft tageweise aus und erledigt viel Administratives. Er ist eher der Künstler, ich die
Handwerkerin, Macherin und Auslieferin. Ich spanne die Leinwände auf. Ich male
Wände und Türen an. Heute haben wir eine sich ergänzende Mischung aus
Künstlerbedarf und Flachmalerbedarf. Gerne berate ich Kunden, die als Anfänger ein
Bild malen möchten. Ein positives Feedback, und ich liebe meinen Beruf. Oft sehe ich
in Künstlerateliers hinein, auch das fasziniert mich.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?


Nein, es stimmt, so wie es ist. Durch meinen Sohn - er ist die vierte Generation -
habe ich jemanden, der mich gut entlastet, und ich habe genug Freizeit. Das Geschäft
ist am Mittwoch und am Samstagnachmittag geschlossen. Das mache ich ganz
bewusst, um mehr Freizeit zu haben.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?

Im Moment spüre ich noch nichts. Letztes Jahr war ein gutes Jahr. Januar und
Februar sind erfahrungsgemäss ruhige Monate, März und April waren super. Ich habe
Rückgänge, vor allem beim Aufspannen von Leinwänden und bei Spezialmassen.
Solche Aufträge sind mit Handarbeit verbunden und entsprechend teurer. Aber so
habe ich wieder mehr Freizeit.

 
 
 

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