der arbeitsmarkt | 12.08.2010 | Text: Michael Helbling
Simon Kreikenbaum, 35, Software-Entwickler, Thun
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Ich war gut gelaunt, weil ich recht genau wusste, was ich heute zu tun
haben würde. Ich übernahm in unserer Firma den Telefon-Support.
Jemandem bei der Problemlösung zu helfen, ist etwas, was ich sehr gerne
mache und was mich aufstellt.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Ich brauche zum Arbeiten eine klare Struktur. Wenn mir diese Struktur fehlt
und vieles unsicher ist, fühle ich mich nicht wohl bei der Arbeit. Gegen den
Strich gehen mir ausserdem Spannungen im Team und wenn Leute
innerhalb eines Betriebes gegeneinander arbeiten. Ich finde, dass es beim
Arbeiten eben nicht nur ums Geldverdienen geht. Mit Arbeiten verbringt
man ja einen grossen Teil des Tages, und deshalb sollte man sich
gegenseitig das Leben nicht unnötig schwer machen, sondern einander
unterstützen.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Mir gefällt, dass ich einen technischen Job habe, ich arbeite den ganzen
Tag mit Computern. Doch es ist nicht nur dieser technische Aspekt - die
Software-Entwicklung hat auch eine sehr kreative Seite. Je nach Kunde
muss man auch massgeschneiderte Lösungen anbieten können. Zudem
finde ich es schön, in einer kleinen Firma zu arbeiten, weil ich so viel
Verantwortung und Kompetenzen übernehmen kann. Ich bin also nicht nur
mit der Entwicklung neuer Software beschäftigt, sondern auch mit dem
Support, ich habe Kontakt zu Kunden und muss individuelle
Kundenwünsche umsetzen.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Das ist eine schwierige Frage ... - einerseits ja, denn wenn man 100
Prozent arbeitet, macht man nebenher nicht viel anderes. Andererseits
habe ich die Tendenz, in meiner Freizeit manchmal in den Tag
hineinzuleben. Nicht selten bereue ich dann, dass ich diese Zeit nicht
besser genutzt und mehr daraus gemacht habe.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Beruflich merke ich zurzeit davon noch wenig. Unsere Firma hat volle
Auftragsbücher. Allerdings haben einige Kunden von uns mit
Umsatzrückgängen zu kämpfen. Das hat aber für uns unter Umständen den
Vorteil, dass diese Firmen nun mehr Zeit haben, um ihre Software-Projekte
zu realisieren - Projekte, für die sie in der Hochkonjunktur keine oder zu
wenig Zeit haben. Privat beschäftigt mich die Wirtschaftskrise schon eher,
weil es mir manchmal Angst macht, wie unvernünftiges Handeln im
Finanzsektor das ganze wirtschaftliche System gefährden kann.