der arbeitsmarkt | 12.08.2010 | Text: Anita Schuler
Robert Bruno, 46, Leiter SKEMA-Schule, Bülach
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Grundsätzlich geht es mir immer sehr gut, wenn ich morgens erwache. Das
bedeutet nämlich, dass ich noch lebe. Das mag zynisch klingen, aber für mich ist
jeder Tag ein Neuanfang. Was war, kann ich nicht ändern - ich kann es das
nächste Mal lediglich besser machen.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Ich mag es nicht, wenn Leute, die pünktlich sein könnten, zu spät kommen, weil sie
ihre Zeit vertrödelt haben. Damit meine ich nicht jene, die mit dem Zug kommen,
die können ja nichts für die Verspätung, sondern die Jugendlichen, die bereits am
Nachmittag schulfrei haben und trotzdem nicht rechtzeitig ins Training kommen.
Auch wenn sie sich nur wenige Minuten verspäten - ich finde das respektlos.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Meine Arbeit ist kein Job wie jeder andere. Sie ist eher eine Berufung. Ich habe
mich ganz bewusst entschieden, mein Wissen in Kampfkunst und Gesundheit
weiterzugeben. Das findet in der Schweiz wenig Anerkennung, weil ich kein
eidgenössisches Diplom vorweisen kann. Natürlich halte ich mich an die Methoden
und das Programm unserer internationalen Schule. Aber ich stehe unter keinem
Druck, bin nicht wie beispielsweise ein Primarlehrer an einen Lehrplan gebunden.
Zudem kommen die Leute, die hier trainieren, freiwillig. Das macht alles viel offener
und gibt mir die nötige Freiheit - beim Denken genauso wie beim Handeln.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Was heisst mehr Freizeit? Was soll ich machen mit mehr Freizeit? Meinen Tag kann
ich einteilen, wie ich will. Meist habe ich am Morgen freie Zeit für mich, am
Nachmittag erledige ich Büroarbeiten und bin ab vier Uhr bis spät abends für die
Schule da. Trotzdem müsste die Woche 10 Tage für mich haben. Die Zeit vergeht
einfach viel zu schnell.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Ehrlich gesagt im Moment sehr positiv. Ich konnte meinen Kundenstamm sogar
erweitern, Das hat vielleicht damit zu tun, dass ich an das glaube, was ich mache.
Man muss am Ball bleiben, vorwärts schauen und Kraft tanken, wann man kann.
Natürlich bange ich mit den Leuten, die in dieser Zeit ihren Job verloren haben und
eine Familie durchbringen müssen. Ihnen helfe ich gerne, wo ich nur kann.