der arbeitsmarkt | 24.06.2010 | Text: Bianka Hubert
Johannes Reitze, 26, Fachmann Information und Dokumentation, Pestalozzi Bibliothek Zürich
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Am Morgen ist es sehr ruhig, weil die
Bibliothek meist erst am Nachmittag öffnet. Ich nutze die Ruhe und beginne den
Tag gemütlich: Ich rechne die Einnahmen vom Vortag ab oder gebe Bestellungen
auf. Die Arbeitsintensität steigert sich dann im Laufe des Tages.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Unser Beruf hat nicht dasselbe Ansehen wie andere Bildungsberufe. Die Leute
haben oft den Eindruck, wir arbeiten freiwillig und unentgeltlich für die öffentliche
Bibliothek. Die genaue Bezeichnung für meinen Beruf lautet Fachmann Information
und Dokumentation. Das ist ein sehr vielseitiger kaufmännischer Beruf. Die Kunden
sehen uns am Schalter, unsere hauptsächliche Tätigkeit findet aber im Hintergrund
statt. Manche Leute haben deshalb den Eindruck, wir haben nicht viel zu tun.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Ich spüre direkt, welches Buch, welche CD oder welcher Film den Leuten gerade
gefällt, welche Themen gerade interessieren. Ich bin für den Einkauf von DVDs und
CDs zuständig. Das ist eine tolle Aufgabe. Seit ich für die Pestalozzi Bibliothek
Filme einkaufe, gehe ich privat mehr ins Kino. Zuletzt habe ich die neue «Sherlock
Holmes»-Verfilmung von Guy Ritchie gesehen. Der Film hat mich gut unterhalten,
obwohl er sehr poppig ist.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Nein, eigentlich nicht. Ich arbeite 80 Prozent und habe also einen ganzen Tag
zusätzlich frei. Ich kann Privates und Berufliches gut miteinander verbinden. Unsere
Bibliothek schliesst 19 Uhr. Danach gehe ich einmal in der Woche direkt zur Probe:
In meiner Freizeit spiele ich Gitarre in der Heavy-Metal-Band «Excruciation».
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Ich staune, wie wenig sich die Krise bei uns auswirkt. Die Bibliothek ist nur
schwach betroffen. Privat merke ich die Krise auch nicht. Ich konsumiere nicht
anders als früher.