der arbeitsmarkt | 15.06.2010 | Text: Anita Schuler

Blitzlicht

Claude Foucault, 52, Sekundarlehrer, Bülach

Blitzlicht
Foto: Anita Schuler

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Heute war der letzte Trainingstag vor dem Sporttag. Ich bin ziemlich gespannt darauf. Zusätzlich stehe ich unter Termindruck: Die Zeugnisse muss ich fertig schreiben, am Nachmittag habe ich einen Termin mit der Lokalzeitung und abends gehe ich an eine Informationsveranstaltung des Kantons Zürich. Und ich habe mich auf die Schulstunde «neue Geschichte» gefreut. Das ist mein Lieblingsfach. Kürzlich habe ich der Klasse von der Kubakrise erzählt. Ein Schüler meinte: «Wow, da sind wir ja haarscharf an einem dritten Weltkrieg vorbeigeschrammt!»

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?

Die «Baustelle Schule» ist zermürbend. Sonderklassen werden abgeschafft, aber eine wirklich praktikable Alternative gibt es nicht. Die Zusammenlegung der drei Sekundarstufen auf zwei wird meines Erachtens dem Lehrauftrag nicht gerecht. Offiziell nennt man dieses Projekt «Chance Sek» und schafft unter dem Vorwand, die Sekundarstufe zu professionalisieren und zu optimieren, lediglich die Sekundarstufe C ab, um Geld zu sparen. Zudem sind die meist falschen Erwartungen der Eltern anstrengend. Vor allem von jenen, die unser Schulsystem nicht kennen. Teils, weil sie bildungsfern sind, teils, weil sie die Sprache nicht verstehen und nicht immer Dolmetscher bereitstehen oder Übersetzungen vorliegen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Mir gefällt der Umgang mit Jugendlichen. Ich arbeite gerne mit ihnen. Zudem kann ich innerhalb des Stundenplans und der Lernziele selbst bestimmen, wann und vor allem wie ich arbeiten will.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?

Ja! Läutet die Schulglocke, bin ich nicht fertig mit meiner Arbeit. Ich muss viel nachbearbeiten wie Prüfungen korrigieren, Aufsätze lesen und dergleichen. Dazu kommen Referenzauskünfte an Lehrmeister, Elterngespräche, kantonale oder
schulinterne Projekte, Infoabende, Aufgaben innerhalb des Lehrerkollegiums. In meiner Freizeit kann ich nicht einfach abschalten. Habe ich eine Idee, überlege und recherchiere ich, wie ich diese am besten für den Unterricht umsetzen könnte. Mehr freie Zeit wünschte ich mir sehr, aber dazu müsste ich mein Pensum reduzieren, was momentan nicht möglich ist. Ich habe eine Familie, drei Töchter und eine Hypothek. Sobald meine Frau mehr ausserhäuslich arbeitet, kann ich diesen Schritt wagen.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?

Es ist schwieriger, die Schulabgänger in einer passenden Lehrstelle unterzubringen. Das ist ein Damoklesschwert. Bis jetzt haben etwa vier Schüler eine Lehrstelle, also etwa 20 Prozent der Klasse. In anderen Jahren waren um diese Zeit ein Drittel bis die Hälfte der Schüler «versorgt».

 
 
 

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