der arbeitsmarkt | 15.06.2010 | Text: Doris Braun

Blitzlicht

Monica Caviezel, 46, Schulleiterin ENAIP, Zürich

Blitzlicht
Foto: Doris Braun

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Vor allem war ich müde. Ich habe ein paar Tage frei genommen, und heute musste ich zum ersten Mal wieder früh aufstehen, um Prüfungen abzunehmen. Obwohl ich am Morgen früh zwar meistens etwas zerknittert aussehe und wortkarg bin, stehe ich in der Regel gut auf - durch die freien Tage bin ich wohl etwas aus dem Rhythmus geraten.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?


So einiges: Preisdumping und überhöhter Leistungsdruck, die Tendenz zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sowie kurzsichtige, unreflektierte Lösungen. Dass zunehmend Preis und Tempo wichtiger sind als Qualität, finde ich eine sehr ungesunde Entwicklung.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Es macht mir Freude, eine Arbeit zu machen, bei der Menschen im Mittelpunkt stehen und ich einen Sinn in meinem Tun sehe: Integration und Bildung öffnen Türen und erschliessen Welten. Zu diesem Schritt beitragen zu können, gibt mir grosse Befriedigung.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?


Ja. Ich arbeite viel und gerne, bin aber kein Workaholic. Vor allem das letzte Arbeitsjahr war sehr dicht, so dass einiges zu kurz kam. Ich könnte mir vorstellen, irgendwann nur noch 60 oder 70 Prozent zu arbeiten. Ich habe noch viele Ideen, was ich im Leben ausser Arbeit machen könnte. Langweilig wird es mir nie.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?


Da wir zurzeit schwerpunktmässig Erwerbslosenkurse anbieten, haben wir alle
Hände voll zu tun. Das heisst vor allem: lange, ausgefüllte, oft auch pausenlose Arbeitstage, an denen man nicht allen und allem gerecht werden kann. Das kann sehr erschöpfend und manchmal auch unbefriedigend sein. Ich achte aber darauf, dass ich zwischendurch auch Pausen einschalte. Das kann ein langes Wochenende oder auch nur ein Ausflug auf den Üetliberg sein. Ich bin froh, dass es mir dann gelingt, alles was mit Arbeit zu tun hat, weitgehend auszublenden.

 
 
 

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