der arbeitsmarkt | 15.06.2010 | Text: Philipp Gafner

Blitzlicht

Manfred Beckmann, 51, Diplomtrainer bei der Fechtgesellschaft Basel

Blitzlicht
Foto: Philipp Gafner

Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?

Ich gehe gern zur Arbeit, weil ich mein Hobby zum Job gemacht habe und weil ich
darin aufgehe. Das hat nicht jeder, das ist ein Glück.

Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?


Wenn das Resultat nicht dem entspricht, was man investiert hat. Denn Fechten
lernen beziehungsweise es jemanden lehren ist ein langer Prozess. Ich mache im
Club auch das Management, bin der Organisator. Das alles ist manchmal schwierig
unter einen Hut zu bringen. Man wird halt immer wieder abgehalten, das zu
machen, was man sich vorgenommen hat. Und schliesslich stört es mich, wenn ich
mich nicht um das einzelne Clubmitglied kümmern kann, wie ich gerne möchte, und
wenn ich Kompromisse eingehen muss.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?


Der Job ist zur Passion geworden. Ich lehre gerne und arbeite gerne mit jungen
Menschen - natürlich auch mit älteren. Jede und jeder ist eine Herausforderung,
auf die ich mich frisch einlassen muss. Das ist spannend! Und meine Arbeit ist sehr
abwechslungsreich: Ich habe mit Kindern und Erwachsenen, mit Spitzen- und
Hobbysportlern und beim Theaterfechten mit Schauspielern zu tun. Ich organisiere
Veranstaltungen und vieles mehr, begleite die Fechterinnen und Fechter auf
Turniere, reise also auch viel in meinem Beruf.

Hätten Sie gerne mehr Freizeit?


Ich lebe gewissermassen Beruf und Freizeit gleichzeitig. Früher war das Fechten
mein Hobby, dann wurde es zur Berufung. Darum ist es heute beides in einem. Ich
bin Animator und Motivator für alle anderen hier. Der Beruf ist mein Lebensinhalt.

Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?


Ich merke, dass alles teurer wird. Um meinen Exotenberuf muss ich aber keine
Angst haben. Es ist nicht so, dass ständig jemand auf meine Stelle lauert. Ich habe
einen sicheren Arbeitsplatz, bin mit dem Verein sehr verwachsen und befinde mich
nicht wie ein Fussballtrainer immerzu auf dem Schleudersitz. In meinem Umfeld
bangen die Leute je nach Branche schon um ihre Stelle. Sonst kriege ich nicht viel
von der Krise mit. Aber man macht sich so seine Gedanken und wird vorsichtiger.
Man fragt sich, ob das Geld auf der Bank sicher ist. Und man sieht, dass die Leute
zu sparen beginnen - zum Teil auch die Clubmitglieder.

 
 
 

Archiv-/Themen-Suche