der arbeitsmarkt | 14.06.2010 | Text: Bianka Hubert
Beatrice Tschanz Kramel, 66, Kommunikationsberaterin, Zumikon
Wie war Ihre Stimmung, als Sie heute Morgen zur Arbeit gingen?
Die war sehr gut. Ich hatte einen Brief in der Post von einer Bekannten, von der ich jahrelang nichts gehört hatte. Sie hat mir einen wunderschönen Brief geschrieben. Den habe ich beim Frühstück gelesen. Briefe sind heute etwas Kostbares. Wer schreibt denn heute noch Briefe? Deshalb erfreue ich mich an solcher Post.
Was geht Ihnen bei der Arbeit gegen den Strich?
Am meisten geht mir die Ungeduld auf den Wecker. Wenn mich zum Beispiel jemand anruft: Du, ich habe dir vor zehn Minuten eine E-Mail geschickt und noch keine Antwort erhalten. Dann werde ich leicht säuerlich. Dieses «alles muss sofort passieren» nervt mich. Vielleicht hat das damit zu tun, dass ich älter werde, ich war früher ungeduldiger.
Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Es ist sehr schön, mich ohne wirtschaftlichen Druck für Non-Profit-Organisationen, und letztlich für Menschen einsetzen zu dürfen. Mir ist es aber wichtig, immer noch gefordert zu werden, zum Beispiel in meiner Arbeit als Verwaltungsrätin. Die Mischung tut mir gut.
Hätten Sie gerne mehr Freizeit?
Ja, natürlich. Aber da bin ich selber schuld. Ich muss mir meine Freizeit selber organisieren und das gelingt mir zunehmend besser. Ich gehe sehr gerne in den Wald. Ich jogge zwar nicht mehr, aber ich walke gern.
Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf Ihr Leben aus?
Ich habe einen riesigen Bekanntenkreis und bekomme mehr Anrufe von Menschen, die Rat und Hilfe suchen. Ich habe keine Beratungsstelle, aber die Menschen aus meinem Netzwerk verdienen es, dass ich mir Zeit nehme. Ansonsten geht es mir, wie vielen anderen: Ich muss meine Finanzen besser einteilen. Mein Eingemachtes ist geschrumpft. Ich habe aber keinen Grund zu jammern.