HR Today | 1,2/2010 | Text: Sandro Foiada und Sandro Cornella

Ein gutes Gesundheitsmanagement lohnt sich bereits im ersten Jahr

Ein Forschungsprojekt widmete sich dem Ziel, den Nutzen von betrieblichem Gesundheitsmanagement zu quantifizieren. Bislang war dies ein schwieriges Unterfangen. Heute liegen die Ergebnisse der Studie vor: Der Versicherer Nationale Suisse hat für jeden investierten Franken Kosten in der Höhe von CHF 2.50 verhindert – und das schon im ersten Jahr.

Ein gutes Gesundheitsmanagement lohnt sich bereits im ersten Jahr

Wie viele seiner Kollegen stand auch Sandro Foiada vor drei Jahren vor einer Herausforderung: Der Head Group HR des Versicherers Nationale Suisse wollte seine Mitarbeitenden mit einem neuen Gesundheitsmanagement besser unterstützen. Doch das war einfacher gesagt als getan. Denn er stand vor dem Problem, Schwer-
punkte setzen zu müssen, um mit möglichst tiefem Einsatz an Mitteln möglichst optimale Resultate erzielen zu können. Doch: In welchen Bereichen lohnen sich Massnahmen überhaupt? Und welche?

Mitarbeitende, die trotz Krankheit arbeiten, verursachen hohe Kosten


Um diese Fragen beantworten zu können, schloss sich Nationale Suisse vor drei Jahren einem Team an. Ziel der Gruppe war es, den ersten wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, dass sich betriebliches Gesundheitsmanagement lohnt – und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil es einen klar bezifferbaren Return on Investment (ROI) bringt. Und zweitens, weil es neu nun möglich ist, die einzelnen Massnahmen nach ihrer Wirksamkeit zu bewerten. Insbesondere der zweite Punkt gibt Unternehmen ein neues Instrumentarium in die Hand, um die effizientesten Massnahmen eruieren zu können.
Gemeinsam mit makora, einem unabhängigen Schweizer Anbieter im betrieblichen Gesundheits-management und unterstützt von den Forschungspartnern Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Schweizer Paraplegiker-Forschung, machte sich das Team 2007 an die Arbeit (siehe Ausgabe 1/2_2008, Seite 53). Finanziell unterstützt wurde es von der Innovationsförderungsagentur des Bundes. Das Vorgehen gliederte sich in die folgenden Schritte:

  1. Auf einer externen, vom Arbeitgeber unabhängigen Internetplattform bei makora füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen mit einfach zu beantwortenden Fragen aus. Mehr als die Hälfte der 1300 Nationale- Suisse-Mitarbeitenden in der Schweiz beteiligten sich daran.
  2. Jeder Teilnehmende erhielt eine persönliche neunseitige Auswertung seines Profils mit Tipps für einfache, in den Tagesablauf einzubauende Massnahmen. Für Mitarbeitende mit hohem Risiko wurde auf Wunsch eine spezielle, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Betreuung angeboten.
  3. Die anonymisierten Daten wurden von makora zusammengefasst.
  4. Auf ihrer Basis hat das Management von Nationale Suisse zusammen mit makora konkrete Vorschläge für Massnahmen entwickelt, die das grösste Potenzial zur Verbesserung hatten.


Neu am Ansatz ist, dass nicht nur physische Abwesenheit – Absentismus – bewertet wird, sondern auch die Kosten des Präsentismus, wenn Mitarbeitende, anstatt sich zu kurieren, trotz Krankheit oder Schmerzen anwesend sind und nicht die volle Leistung erbringen können. Mit Fragen, welche jeder Mitarbeitende einfach beantworten kann, wird durch einen validierten Algorithmus erhoben, zu wie viel Prozent ein Mitarbeitender zwar physisch am Arbeitsplatz anwesend ist, aber seine persönliche volle Leistung nicht erbringen kann. Analog zu Absentismus-
kosten werden daraus die Präsentismuskosten errechnet, die gemeinsam mit den Absentismuskosten ein umfassenderes Bild der betrieblichen Kosten vermitteln, die durch körperliche oder psychische Belastungen entstanden sind. Präsentismus ist ein grosser Kostenfaktor: Bei der Nationale Suisse zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Kosten auf Präsentismus zurückzuführen sind.

Rückenprobleme und Stress kosten mehr als kein Sport und Rauchen


Insgesamt zeigte die Untersuchung, dass rund zehn Prozent der Mitarbeitenden ein hohes Risikoprofil aufwiesen. Als am weitesten verbreitete Risikofaktoren wurden bei Nationale Suisse ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Rauchen erkannt. Als die wichtigeren Kostentreiber allerdings förderte der neue Ansatz andere Faktoren zutage: Führung, Stressbelastung und Rückenprobleme. Für die Verantwortlichen bei Nationale Suisse hiess dies: Gezielte Investitionen in Führungsschulung, bei manchen Organisationsbereichen in Stressbewältigung und in ergonomisch bessere Arbeitsplätze zahlen sich mehr aus als Programme zum Raucherstopp oder zu gesünderer Ernährung.
Konkret sahen die Ergebnisse bei Nationale Suisse so aus: Insgesamt lagen die jährlichen gesundheitsbedingten betrieblichen Kosten vor Beginn der Studie bei rund CHF 12 Mio und machten fünf Prozent der gesamten Personalkosten aus. Durchschnittlich kos-teten Mitarbeitende der Hochrisikogruppe rund CHF 20 000, CHF 8500 davon fielen auf Absentismus, über CHF 11 000 auf Präsentismus. Dank gezielter Massnahmen wie zum Beispiel auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zugeschnittener Ergonomieabklärungen oder Stressmanagementprogrammen konnte Nationale Suisse in nur einem Jahr ihre gesundheitsbedingten betrieblichen Kosten um CHF 1,3 Mio reduzieren. Somit ergibt sich ein ROI pro investierten Franken von rund CHF 2.50 im ersten Jahr. Die Kosten sind für alle drei Risikogruppen (hohes, mittleres und tiefes Risiko) kleiner geworden. Innerhalb eines Jahres, das belegt eine zweite Befragung, hat sich das Wohlbefinden der Mitarbeitenden dank der Massnahmen erheblich gesteigert. Weil diese Massnahmen die Situation nachhaltig verbessern, kann auch in den weiteren Jahren mit Einsparungen gerechnet werden, wodurch sich der Return on Investment noch steigert.
Ein zielgerichtetes Gesundheitsmanagement bringt dem Arbeitgeber – das zeigt die Studie deutlich – schon im ersten Jahr konkrete, eindeutig nachweisbare Kosteneinsparungen. Damit wird belegt, was viele schon immer vermutet haben: Gezielte Investitionen in betriebliches Gesundheitsmanagement können sich lohnen – nicht nur für die Arbeitnehmenden, sondern auch für die Arbeitgeber. Zentral dafür ist, dass gezielt auf diejenigen Bereiche fokussiert wird, welche das grösste Potenzial haben.

 
 
 

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