der arbeitsmarkt | 12/2009 | Text: Antje Hentschel

Damit Arbeitslosigkeit nicht zum Dauerzustand wird

Dem Arbeitsintegrationszentrum Basel wurden in den letzten zwei Jahren durch das AWA, die Sozialhilfe und die IV rund 2500 Personen zugewiesen.

«Wir sind auf dem Weg», so Andreas ­Bammatter, Leiter des Arbeitsintegrationszentrums Basel (AIZ), auf die Frage nach seinem bisherigen, persönlichen Eindruck zur Tätigkeit der Institution. «Die Zusammenarbeit mit den drei zuweisenden Stellen, AWA, Sozialhilfe und IV, ist grundsätzlich gut. Es finden regelmässig Besprechungen auf operativer und strategischer Ebene statt. Da die verschiedenen Bedürfnisse, Gesetze und Verordnungen aller Beteiligten laufend bezüglich ihrer Anwendung berücksichtigt, überprüft und sinnvoll implementiert werden müssen, braucht diese Schnittstellenbewirtschaftung jedoch Zeit, und der Prozess ist bis heute noch am Laufen.» Wurden früher Einzelzuweisungen für Massnahmen durch die sozialen Stellen vorgenommen, bündelt das AIZ heute diese Fachkompetenzen.  Andreas Bammatter: «Die Schnittstellen zwischen den einzelnen Sicherungsnetzen führten immer wieder zu unnötigen Abgrenzungen, welche sich langfristig für den stellensuchenden Menschen als Nachteil auswirken konnten.»
Das Arbeitsintegrationszentrum Basel-Stadt wurde im Juli 2007 im Auftrag des ­Regierungsrates gebildet. Es steht als Kompetenzzentrum Langzeitarbeitslosen und solchen Personen, die wiederholt mit Stellen­­losigkeit konfrontiert sind, hilfreich zur Seite. Zusammen mit der LAM (Logistik arbeitsmarktliche Massnahmen) werden jährlich Leistungsvereinbarungen ausgearbeitet. Die Betroffenen sollen mittels individuell zugeschnittener Massnahmen in den ersten Arbeitsmarkt (re-)integriert werden. Ist dies mittelfristig aus besonderen, beispielsweise gesundheitlichen Gründen nicht möglich, sind die Bemühungen auf eine soziale Integration ausgerichtet. Dazu gehören Angebote der Kirche, von Sport- und Freizeitvereinen und Institutionen für ­Freiwilligenarbeit wie Benevol. «Bei Erfolg werden die Klientinnen und Klienten via Integrationsplan wieder zum ersten Arbeitsmarkt hingeführt», erläutert Andreas Bammatter das Vorgehen.

Kurz- und Vertiefungsassessment als erste Massnahme

Um sich einen Überblick über die berufliche Situation der Arbeitssuchenden zu verschaffen, steht ein Kurzassessment zur Verfügung, welches gleichzeitig als Informationsveranstaltung gilt. Während rund vier Stunden werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über das AIZ und den weiteren Ablauf orientiert. In den nächsten Tagen folgt ein zweistündiges Einzelgespräch mit einem Coach, in dem noch offene Fragen beantwortet und erfolgversprechende Bewerbungsstrategien ins Auge gefasst werden. Ist eine weitergehende Abklärung nötig, kommt das Vertiefungsassessment zum Zug, das während dreier Wochen jeden Vormittag in einer Gruppe mit rund zwölf Teilnehmenden stattfindet. Um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, wird dieses sowohl für Deutsch- als auch für Fremdsprachige durchgeführt. Das Vertiefungsassessment besteht aus mehreren Modulen, bei denen das Ermitteln der Basis-, Fach-, Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenzen im Vordergrund steht. Dabei stellen sich die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer verschiedensten Einzel- und Gruppenaufgaben. Klassische Deutsch- oder Mathematiktests gehören dabei ebenso zum Programm wie Vorträge zu einem selbst gewählten Thema oder der so genannte Kreativposten, bei dem es darum geht, innert einer knapp bemessenen Zeit ein möglichst ansprechendes Produkt abzuliefern. So soll beispielsweise eine fiktive Einladungskarte mit den zur Verfügung gestellten Materialien - Papier, Farbstifte und Dekorationsartikel - themenbezogen und kreativ umgesetzt werden. Bewertet wird diese Arbeit von der Kursleitung und den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Gruppe, die jeweils Noten von eins bis zehn vergeben. Diese Skala findet auch bei der Bewertung aller anderen Aufgaben und Tests Verwendung.
Dass das AIZ, das es in dieser Form nur in Basel gibt, auch auf individueller Ebene Vorteile bringt, bestätigt Alina Keshishian, eine ehemalige Kursteilnehmerin: «Die Kursleitung hat sich Zeit genommen, um auf mich als Person einzugehen. Zudem habe ich es sehr geschätzt, neue Menschen kennenzulernen, was mich in jedem Fall persönlich weiterbringt.» Nach Abschluss des Vertiefungs­assessments werden die gesammelten Ergebnisse in einer Grafik - welche die Stärken und Schwächen in den einzelnen Bereichen darstellt - aus­gewiesen und den Absolventinnen und Absolventen abgegeben. Dieses «Zeugnis» bildet auch die Grundlage für das anschliessende, individuelle ­Coaching, welches während maximal elf Monaten durchgeführt wird - in Ausnahmefällen mit Verlängerungs­option von sechs Monaten. In dieser Zeit finden regelmässige Besprechungs­termine statt, in denen die weiteren Schritte bei der Stellensuche zusammen besprochen und anhand eines ­­Integrationsplans umgesetzt werden. Andreas Bammatter: «Mir ist wichtig, dass die stellensuchenden Personen professionell und zielgerichtet begleitet und unterstützt ­werden.»
Eine besondere Bedeutung kommt dabei sogenannten Programmen zur vorüber­gehenden Beschäftigung zu, die in der Regel sechs bis zwölf Monate dauern und für verschiedene Richtungen wie Administration, Lager und Verkauf oder Werkstatt an­ge­boten werden. Absolviert werden die Ein­sätze entweder in beauftragten Firmen oder bei der kantonalen Verwaltung. Dort können die Programmteilnehmerinnen und ­Programmteilnehmer ihre vorhandenen Fähigkeiten einsetzen und sich neue Kenntnisse aneignen. Zudem ergibt sich daraus ein ­geregelter Tagesablauf und es sinkt die Gefahr, in das sprichwörtliche «Loch» zu ­fallen: Die Teilnehmenden sind in ein Team integriert und erhalten ein neues Arbeitszeugnis, das Ihnen bei der weiteren ­Posi­tionierung auf dem Arbeitsmarkt sehr ­hilfreich sein kann. Im Idealfall sind die ­Klientinnen und ­Klienten am Ende des ­Coachings nachhaltig in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Andreas Bammatter zu ­seinen Wünschen für die Zukunft: «Damit sich ein Dienstleistungszentrum wie das ­
AIZ noch weiter entwickeln kann, muss dies auch von den politisch Verantwortlichen ­gefördert werden. Es wäre sicherlich über­legenswert, die Möglichkeit in Richtung ­einer ‹Versicherung› auf Bundesebene zu ­prüfen.»

 
 
 

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