der arbeitsmarkt | 23.09.2009 | Text: Andreas von Bergen
avb. Auf Redaktionen wird gespart. Trotzdem sind freie Mitarbeiter immer noch gefragt, obwohl die Hälfte ohne Zusatzverdienst nicht überleben kann wie eine aktuelle Studie besagt.
Die Mediengewerkschaft Comedia zog Mitte September im Zentrum Karl der Grosse in Zürich eine aktuelle Bilanz zum Stand des Journalismus in der Schweiz. Referenten und Teilnehmer des Weiterbildungstages diskutierten über die Frage, wo in Zukunft die freien Medienschaffenden ihren Platz haben. Das Fazit: Die Chancen der freien Journalisten, bestellte und selbst recherchierte Texte in Originallänge zu publizieren sind bei den Wochen- und Monatszeitschriften deutlich besser als bei den Tageszeitungen.
Jeder zweite Freie könne mit dem monatlichen Honorar jedoch nicht überleben und arbeitet zusätzlich entweder in einem technischen Beruf, als Lehrer oder im PR- und Kommunikationsbereich. Insgesamt 36 Prozent der seit vielen Jahren freien Journalisten würden heute abraten diesen Beruf neu zu beginnen, weil das Einkommen unregelmässig und öfters zu tief ist, besagt eine neue Studie von Professor Vinzenz Wyss, Leiter Forschung am Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM in Winterthur.
Wyss präsentierte erste Ergebnisse der laufenden Studie «Journalismus in der Schweiz». Befragt wurden Journalisten bei Tageszeitungen, bei Wochenzeitschriften, bei öffentlichen Radio- und TV-Sendern sowie bei Privatradios in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin.
Jeder fünfte Schweizer Journalist für Printprodukte ist freiberuflich tätig. Freie Journalisten sind selten Teamplayer, denn 79 Prozent arbeiten mehrheitlich allein. Fast die Hälfte der fest angestellten Redaktoren und 38 Prozent der freien Journalisten absolvierten eine akademische Ausbildung mit Universitätsabschluss. Daneben gibt es viele Quereinsteiger aus kaufmännischen oder technischen Berufen, die oft als Spezialisten für Fachzeitschriften arbeiten.
Die Arbeitszufriedenheit bei den Freien ist eher schlecht, denn das Arbeitsklima ist rauh geworden, die Beschäftigungsdauer unsicher. Die Zeitschriftenverleger orientieren sich heute vermehrt an der Werbewirtschaft und den Inserateeinnahmen pro Quartal. Nachdem die Werbeeinnahmen markant um einige hunderttausende Franken pro Zeitschrift geschrumpft sind, wälzen dies die Verleger oft direkt auf die Löhne der freien Mitarbeiter ab.
Eine gute Nachricht für die Freien: Spezialthemen für Schwerpunktnummern oder Sonderausgaben werden immer häufiger ausgelagert. Freie Journalisten können sich für Reportagen oder Berichte ihrer Spezialgebiete wie Architektur, Bauen und Wohnen, Gesundheit, Freizeitsport, Recht usw. bei den Chefredaktoren melden.
Die Zürichsee-Zeitung setzt zum Beispiel stark auf Freie: Mehrere in den Regionen wohnende freie Journalisten schreiben regelmässig Berichte über Wirtschaft, Kultur und öffentliche Veranstaltungen in den Gemeinden für den Lokalteil. Die festen freien Journalisten sind für den Chefredaktor sehr wichtige Mitarbeiter, auf die er sich verlassen kann. Diese werden auch in interne Schulungen einbezogen. Die freien Mitarbeiter werden für ihre Texte mit Stunden-, Halbtages- oder Tageshonorar entschädigt. So lautete der Tagungstipp der Experten: Die freien Journalisten sollen das Stunden-, Halbtages- oder Tageshonorar mit dem jeweiligen Chefredaktor im Voraus vereinbaren. Abgeraten wird von der Vergütung für kurze Texte mit Zeilenhonorar. Diese sei meistens zu tief und kaum kostendeckend.