der arbeitsmarkt | 09/2009 | Text: Christian Keller

Spiel des Lebens

Jugendarbeitslosigkeit

Hustet die Wirtschaft, bekommen sie die Grippe: Jugendliche und junge Erwachsene gehören zu den ersten Opfern konjunktureller Einbrüche. Das ist in der gegenwärtigen Krise nicht anders: 25 693 Personen unter 25 Jahren waren Anfang Juli 2009 bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren als erwerbslos ­gemeldet, 10 893 oder 73,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Insgesamt stieg die Arbeitslosenquote in der Schweiz im gleichen Zeitraum «nur» um 42 Prozent.

Für die jungen Menschen steht viel auf dem Spiel. Arbeitslosigkeit bedeutet einen markanten Bruch in ihrem Leben. Das Gefühl, von der Gesellschaft in einem zentralen Bereich ausgeschlossen zu werden, wird von den Betroffenen als schwere Enttäuschung erlebt. Arbeitslosigkeit führt bei jungen Menschen zu einem Verlust an Selbstvertrauen und Motivation. Depressionen, Aggressionen, Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen, aber auch innerfamiliäre Spannungen wegen finanzieller Abhängigkeit und fehlender ­Tagesstrukturen sind die Folgen.

Dem Preis, den die Jungen für ihre oft unverschuldete Erwerbs­losigkeit bezahlen, stehen die Kosten für die Gesellschaft gegenüber. Nach den unmittelbaren Unterstützungsleistungen durch Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe, den Kostenfolgen des erhöhten Gesundheitsrisikos, dem Verlust an Humankapital ­drohen der Allgemeinheit auch die Kosten einer allfälligen Langzeitarbeitslosigkeit. Denn wer in jungen Jahren die berufliche Inte­gration nicht schafft, wer sich mit Hilfsjobs durchschlägt, anstatt einen soliden Boden für die berufliche Entwicklung zu legen, dem drohen Ausgrenzung und lebenslange Armut.

Junge Erwachsene sind in Krisenzeiten deshalb einem höheren Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt, weil ihnen die Praxiserfahrung fehlt, die die Arbeitswelt von ihnen erwartet. Um zu verhindern, dass sie als Verlierer aus dem Spiel ausscheiden, ist die ganze Gesellschaft gefordert, insbesondere auch die Arbeitgeber. Denn die junge Generation muss mit ihrer Vitalität und ihrer Schaffenskraft wieder dabei sein, wenn die Grippewelle vorüber ist.

 
 
 

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