der arbeitsmarkt | 09/2009 | Text: Andreas von Bergen

Starke Frauen im Handwerk

Die Schreinerei Rundumholz GmbH, die sich auf die Herstellung von ­massgefertigten Spezialitäten aus Massivholz konzentriert hat, wird ­­von ­­zwei ­engagierten Frauen geführt. Vor kurzem ist der Betrieb aus dem Zürcher Kreis 4 nach Zürich-Oerlikon gezogen.

Aus der geöffneten Tür der Schreinerei der Rundumholz GmbH an der Schaffhauserstrasse in Oerlikon dringen Absaug- und ­Maschinengeräusche ins Freie. Was für die meisten Menschen nichts als Lärm ist, klingt  Schreinern wie Musik in den Ohren. Drinnen duftet es nach frisch zugeschnittenem Lärchen- und Eichenholz. Claudia Furrer schiebt gerade zugeschnittene Eichenbretter zum Abrichten über den Hobelmaschinentisch, um sie danach zu verleimen. Christina Kundert bearbeitet ausgehobelte Lärchenholzteile mit einer kleinen Fräsmaschine an der traditionellen hölzernen Werkbank. Aus den verschiedenen Lärchenholzteilen entstehen Holzrahmen mit Festverglasung als Balkonabschluss.

In diesem Betrieb haben Frauen die Hosen an

Die beiden Partnerinnen haben eine bewegte Zeit hinter sich. Lange Zeit haben sie nach einer geeigneten Schreinerwerkstatt gesucht. Vor kurzem haben die Frauen ihre neue Werkstatt in Zürich-Oerlikon beziehen können. Noch sieht alles etwas improvisiert aus in den neuen Räumen. Der Umzug der Maschinen und des Warenlagers von der Müllerstrasse im Zürcher Kreis 4 hierher ist abgeschlossen. In grossen Schubladen sind Holz- und Metallgriffe in allen Formen, ­Farben und Grössen verstaut. Im Ober­geschoss, das durch eine steile Innentreppe erschlossen ist, lagern lange Profilstäbe, ein Vorrat an Schleifbändern und viele andere Waren. Im Vorraum stehen kleine Flaschen mit Bienenwachs und Ölen für die natürliche, biologische Oberflächenbehandlung.
«Wir fertigen gerade einen riesigen, 2,3 m hohen Schuhschrank für etwa 200 Paar Schuhe, den eine Kundin privat bestellt hat», sagt Christina Kundert und zeigt auf einen raumhohen Kasten. Für den Rundgang durch die Werkstatt hat Christina ­Kundert den gelben Gehörschutz abgenommen und erzählt von laufenden Aufträgen. Auch wenn die Schreinerei Rundumholz von Frauen geführt wird, zählen sehr wohl auch Männer zur Kundschaft. Auf einem ­Podest steht ein grosser faltbarer Paravent aus mehreren Holzrahmen, in den alte Leuchtenabdeckungen aus den Achtzigerjahren eingebaut sind. «Den haben wir auf Kundenwunsch angefertigt», sagt Kundert und lacht. In einer Ecke stehen drei Polstersessel. Kundert: «Wir reparieren diese Sessel und ölen anschliessend die Holzteile. Danach bringen wir diese in eine Polsterwerkstatt zum Neubezug mit Stoff.»

Der Traum von der Schreinerei ­mit Schaufenster

Die 40-jährige Christina Kundert ist die ­Chefin im Betrieb. Nach ihrer vierjährigen Möbelschreinerlehre arbeitete sie in einer Antikschreinerei und später beim renommierten Möbelrestaurator Max Steiner an der Predigergasse in Zürich, wo sie die ­Feinheiten der Möbelrestauration kennen lernte. 1996 konnte Kundert dann ihre erste eigene kleine Schreinerei eröffnen. Als sie 1998 an die Müllerstrasse umzog, benannte sie ihr Unternehmen in «Rundumholz» um. «Mein Traum von einem Lädeli mit Schaufenster in Kombination  mit einer Schreinerei ist dabei in Erfüllung gegangen», sagt Christina ­Kundert stolz.
Seit dem Jahre 2002 arbeitet Claudia ­Furrer partnerschaftlich im Betrieb mit. Beide Frauen führen eigene Kundenaufträge von A bis Z selbst aus, Möbel auf Bestellung vom Tisch über das Bücherregal bis zum Bett, in verschiedensten Designvarianten und Formen - und meist aus Massivholz. Auch Spezialitäten wie Schaufenster- und Ladeneinrichtungen, der Innenausbau eines Fahrzeuges oder die Anfertigung eines ­Puppenhauses gehören zum Repertoire der Schreinerinnen. «Wir wollen als Spezialisten viele Massivholzarbeiten ausführen, denn wir arbeiten besonders gerne mit euro­päischem Massivholz», meint ­Christina Kundert. Speziell grosse und ­schwergewichtige Schreinerarbeiten wie Hauseingangstüren oder Isolierglasfenster überlässt man allerdings gern den männlichen Berufs­kollegen.
Regelmässig lassen sich bei Rundumholz während ein bis zwei Wochen Schnupperlehrlinge - auch junge Burschen - in die ­vielseitige Holzverarbeitung einführen und für den handwerklichen Beruf begeistern. Lehrlinge ausbilden kann Rundumholz zwar nicht, erklärt Christina Kundert, «aber eventuell können wir für einige Monate zusätzlich eine Praktikantin beschäftigen».
Inzwischen ist Claudia Furrer damit beschäftigt, zugeschnittene Teile mit wasserfestem Leim zusammenzufügen. «Das sind Sockel für Kunstobjekte», erklärt Furrer und fährt fort: «Neben den Aufträgen für Privatkunden führe ich auch regelmässig Aufträge für Museen und Galerien aus. Ich zeichne meine Objekte oder Möbel gerne selbst. Ich schneide das Material selbst zu und führe die Weiterbearbeitung bis zum Verleimen selbst aus», sagt Claudia Furrer. «Es gefällt mir, so zu arbeiten.»

Nach geglücktem Umzug ­zuversichtlich in die Zukunft

Einige Maschinen wurden per Lastwagen vom alten Standort nach Oerlikon trans­portiert. Andere Maschinen, wie jede Schreinerei sie braucht, konnten die beiden Schreinerinnen vom Vorgänger Arthur Kaufmann übernehmen. Mit der neuen Werkstatt ist Kundert zufrieden: «Jetzt ­können wir rationell im Erdgeschoss ­produzieren. Dies ist ein gewaltiger Vorteil gegenüber der vorherigen zweige­schossigen Werkstatt.» Hat die Schreinerei Rundumholz durch den Umzug von bester Lage an die Peripherie denn nicht auch Kundschaft verloren? Christina Kundert verneint: ­«Unsere langjährigen Stammkunden für Möbel und Inneneinrichtungen von der Müllerstrasse halten uns die Treue. Architekten und Studenten holen weiterhin ihre Modellbauartikel bei uns ab, denn sie schätzen unseren Holzzuschnittservice. Zudem gibt es hier an der Schaffhauserstrasse neue Laufkundschaft, die Tramhaltestelle ist ganz in der Nähe.»
Christina Kundert ist froh, dass der Umzug jetzt bewältigt ist, und blickt zuversichtlich in die Zukunft. «Für die nächsten Jahre hoffe ich auf möglichst viele interessante Möbelaufträge in vielen Formen und Holzarten. Ich will zusammen mit meiner Kollegin Claudia Furrer auch in Zukunft individuelle Aufträge nach Mass ausführen dürfen.»

 
 
 

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