der arbeitsmarkt | 10.09.2009 | Text: Andrea Duttwiler

24 Stunden das Hirn lüften

ad. Das Lernfestival soll mit 150 Veranstaltungen in der ganzen Schweiz die Lust aufs Lernen wecken und mit Sensibilisierungskampagnen die Weiterbildung hoffähig machen.

24 Stunden das Hirn lüften
Foto: zVg
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Lernfestival-Programm

Am Freitag und Samstag wird schweizweit das diesjährige Lernfestival stattfinden. Es soll die Lust aufs Lernen wecken und möglichst viele Menschen für die Notwendigkeit der Weiterbildung sensibilisieren. Neu ist dieses Jahr, dass zur gleichen Zeit in der ganzen Schweiz 24 Stunden lang die unterschiedlichsten Veranstaltungen aus allen Bildungssparten angeboten werden.
Der Generalsekretär der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK, Hans Ambühl, nutzte die Eröffnungsveranstaltung des Lernfestivals am Dienstag, um für das von rund 150 Organisationen geforderte Weiterbildungsgesetz zu werben: «Dadurch soll die Weiterbildung gewürdigt werden.» Dafür spricht sich auch Rudolf Strahm aus, Präsident des Schweizerischen Verbands für Weiterbildung SVEB. «Es handelt sich nicht um ein Subventionsgesetz», stellt er klar. Es verfolge drei Ziele: Transparenz bei den Angeboten, Anerkennung für Bildungsgänge und Abschlüsse sowie Ermittlung des Werts von Diplomen.

Zur Schwäche bekennen

Das Lernfestival soll die Weiterbildung stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Denn in der Schweiz leben rund 800 000 Personen mit Lese- und Schreibschwäche. Daher lautet eine zentrale Frage der Veranstalter: Wie erreichen wir die Unerreichbaren? Mögliche Wege versuchten die Teilnehmer des Podiumsgesprächs aufzuzeigen.

Roger Nordmann, Präsident des Schweizer Dachverbands Lesen und Schreiben, sieht sowohl eine technische als auch eine subjektive Möglichkeit, Betroffene zu finden: «Technisch erreichen wir sie mit audiovisuellen Mitteln, über elektronische Medien und einfache Telefonnummern. Sie selbst müssen das Tabu brechen und sich zu ihrer Schwäche bekennen.» Als Massnahmen plant der Dachverband Kursangebote, eine Sensibilisierungskampagne und politischen Druck, um das Weiterbildungsgesetz durchzubringen.

Das Projekt «GO – Förderung der Grundkompetenzen von Erwachsenen» des SVEB will Betriebe motivieren, diese Fähigkeiten zu verbessern. Leiter Bernhard Grämiger: «Zielgruppe sind Branchen mit weniger qualifizierten Angestellten wie Industrie oder Reinigung.» Anhand einiger Firmen will das Projekt dokumentieren, dass sich eine Investition in die Grundkompetenzen lohnt.

Sprache und Symbole lernen

Adrian Wymann, Leiter der Abteilung Arbeit und Integration des Bundesamts für Migration BFM, erklärte, die Gruppe der Migranten sei unerreichbar, weil die Gesellschaft sie nicht wahrnehme. «Liegt es daran, dass wir ihnen nicht zuhören», fragte Ferruccio D'Ambrogio vom Westschweizer Netzwerk Grundkompetenzen. Adrian Wymann präzisiert: «Wir müssen im doppelten Sinn die Sprache der Leute sprechen und beispielsweise auch ihre Symbole kennen.» Die Migranten ihrerseits müssten sich mit unserer Sprache vertraut machen, weshalb das BFM bei der Sprachförderung ansetze. Das Westschweizer Netzwerk Grundkompetenzen konzentriert sich auf die Ausbildner. «Damit sie auf die Betroffenen eingehen können, müssen sie gezielt ausgebildet sein. Wille und Engagement allein genügen nicht», sagt Ferruccio D'Ambrogio.

Wie sich die «Nachholbildung» finanzieren lässt, damit beschäftige sich das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT, sagte Marimée Montalbetti, Ressortleiterin Projekte und Entwicklung. Die Initiativen der Vereine und Verbände finden heute in der Öffentlichkeit grösseres Gehör als noch vor zehn Jahren. Damit nehmen der Druck auf die Politik und die Chance, das Gesetz durchzubringen, zu. Darin sind sich die Teilnehmer des Podiumsgesprächs einig.
Der Freitag und Samstag stehen zunächst im Zeichen spannender und kostenloser Angebote, um «das Hirn zu lüften», wie die Parole des SVEB lautet.

 
 
 

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