der arbeitsmarkt | 15.04.2009 | Text: Sven Rosemann

Die digitale Filmdimension

sr. Ist der Film im Kasten, beginnt die Postproduktion. Der «arbeitsmarkt» hat zugeschaut, wie der neue Fundraising-Spot der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft digital nachbearbeitet wird.

Die digitale Filmdimension
Foto: Sven Rosemann
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Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft
Filmproduktionsfirma «Cheese & Chocolate»

Der Spot besteht nur aus zwei Kamerafahrten. In der ersten Szene schreibt jemand einen Brief, in der zweiten Szene liest ihn eine andere Person, die ebenfalls an einem Tisch sitzt. Die Kamera fährt von rechts nach links hinter Kopf und Nacken des jeweiligen Schauspielers vorbei.
Die junge Zürcher Filmproduktionsfirma «Cheese & Chocolate» produziert den neuen Fundraising-Spot der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft. Er trägt schlicht den Titel «Danke». Die beiden Szenen sind bereits abgedreht (siehe Reportage vom Drehtag in der aktuellen Printausgabe des «arbeitsmarkts»), jetzt steht die weitere Bearbeitung des Filmmaterials an. Nach Drehbuch soll das Bild vom Kopf und Nacken des Schreibers fliessend in dasjenige des Lesenden übergehen. Dazu bedarf es einer Computeranimation.

 

Die Verschmelzung der beiden Nacken ist ein Fall für Fabio Müller, 26, bei «Cheese & Chocolate» der Spezialist für alles, was man beim Film am Bild im Nachhinein macht - weil man es gar nicht filmen kann oder weil der Aufwand dafür zu gross wäre. Und es ist immer so: Ist der Film im Kasten, wird daran gefeilt. Die Postproduktion (Nachproduktion) umfasst alle Arbeiten, die nach dem Drehen erfolgen. Fabio Müller korrigiert Bilder, fügt Animationen ein, schneidet den Film am Computer, bereitet das Datenmaterial derart auf, dass es für jegliche weitere Belange verwendet werden kann. Ein weiterer Spezialist korrigiert danach die Farben.
Die Vertonung übernimmt Adi Frutiger, ein Top-Shot in Sachen Filmmusik, in der Schweiz und international. Der Arbeitsschritt geschieht ausser Haus. Frutiger wird seine selbst komponierte Musik in einem Tonstudio aufnehmen. Der Spot «Danke» hat keinen Dialog und ist deshalb ohne Originalton abgedreht. Den Off-Text sollte der deutsche Schauspieler Sky du Mont sprechen. Doch der Star ist zum vereinbarten Zeitpunkt krank und daher unpässlich. Vermutlich wird du Mont nach seiner Genesung den kurzen Text in Hamburg sprechen und aufnehmen.

Veredelung mit viel technischem Rüstzeug

Derweil ist Fabio Müller mit der Bildbearbeitung und den Animationen beschäftigt. «Wer Photoshop zur fotografischen Bildbearbeitung kennt, stelle sich Entsprechendes für den Film vor», erklärt er. Müller hat das Filmmaterial des Spots bereits bearbeitet. Die Daten, die er nach dem Dreh erhielt, waren sogenannte «Raw»-Daten. Das sind rohe digitale Filmdaten, bei denen alle Farb- und Lichtinformationen detailliert vorhanden sind, so dass er sie am Computer bearbeiten kann: Belichtungsänderungen, Tonwertkorrekturen, aber auch Retuschen und hundert andere Dinge, die heute möglich sind. «Das Programm tut dies über ganze Sequenzen, die ich natürlich bestimmen kann», erläutert Müller. Zum Glück, sonst würde es ewig dauern, müsste er das für jeden einzelnen «Frame», also jedes Filmbild, tun. Nach der Bildbearbeitung rechnet Müller die Daten in sogenannte «Mov»-Files um. Das sind Videodateien, die sich auf verschiedenen Playern abspielen lassen.

Zwei Wochen für drei Sekunden

Für den «After Effect» im MS-Spot muss Fabio Müller die beiden Szenen quasi aneinander kleben. Nun arbeitet er im Videoformat am gesamten Bild, während er bisher eine Detaildatenebene bearbeitet hat.
Der Übergangeffekt in diesem 21-Sekunden-Spot dauert gut drei Sekunden. Jede Sekunde hat 25 Bilder, was bedeutet, dass Müller 75 Frames bearbeiten muss. Dazu kommen ein bis zwei Sekunden vor und nach dem Effekt, in denen er jedes einzelne Frame unter die Lupe nimmt. Das ist eine Arbeit, die locker bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen kann.
«Es ist ein völlig neues Problem, vor dem ich hier stehe. Wenn ich an Animationen arbeite, ist das andauernd so. Praktisch nie ist eine Aufgabe ein Abklatsch einer alten», sagt Müller. Ist das Problem gelöst, wird Müller am Ende des Spots die Logo-Animation einbauen und schliesslich die Tondaten hinzufügen, die er von Adi Frutiger bekommen wird. Auch die Farbkorrektur hat bis dahin ein externer Freelancer erledigt. Von den digitalen Master-Daten wird eine auswärtige Firma die 35-Millimeter-Filmbänder herstellen: Das heisst im Filmslang «fazen».
Wann und wo der neue Spot der MS-Gesellschaft zu sehen sein wird, steht noch in den Sternen. Nichts Ungewöhnliches bei Non-Profit-Spots: Sie dienen oft dazu, Lücken im Senderaster zu füllen und werden dann kostenlos ausgestrahlt. Anderes können sich Non-Profit-Organisationen nur dank massiver Rabatte leisten: Im Schweizer Fernsehen kostet ein 30-Sekunden-Werbespot zwischen der «Tagesschau»-Hauptausgabe und «Meteo» ungefähr 25 000 Franken.

 
 
 

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