der arbeitsmarkt | 12/2008 | Text: Isidora Opacic
Regale auffüllen im Einkaufswägeli-Stossverkehr
Wie viel Brie werden die Leute nächsten Monat kaufen? Gezim Iseni, Verantwortlicher Molkereiprodukte in der Migros Glattzentrum, muss das wissen, sonst ist das Regal plötzlich leer. Weihnachten bedeutet für den Muslim vor allem eins: viel Arbeit.
«Ich versuche, vor Weihnachten möglichst wenig Privattermine abzumachen. Wir sind nämlich fast immer am Arbeiten», sagt Gezim Iseni und schmunzelt. Im Dezember würden alle Mitarbeitenden zahlreiche Überstunden machen, erzählt er. Im Januar könnten sie dann kompensiert werden. «Dringende Termine erledigen in dieser Zeit mein Vater oder meine Frau. Weniger Dringendes verschiebe ich auf den Januar.» Auch sein Hobby, das Fussballspielen, komme in dieser Zeit zu kurz. Für andere Freizeitbeschäftigungen reiche seine Zeit sowieso nicht. «Ich bin verheiratet und habe ein kleines Kind, das ist für mich Hobby genug.»
Für die Kunden muss alles schnell gehen
Isenis Arbeitstag dauert jeweils von sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends, mit einer Stunde Mittag und je einer halben Stunde Morgen- und Abendessen. Der 25-jährige albanischstämmige Mazedonier, der 1991 in die Schweiz kam, begann nach der Schule bei der Migros zu arbeiten. Er ist inzwischen ein alter Hase mit seinen acht Dienstjahren. Ebenso viele Weihnachtssaisons hat er schon kommen und gehen sehen. Zurzeit holt Gezim Iseni seinen Lehrabschluss zum eidgenössisch diplomierten Detailhandelsfachmann nach. Er möchte es bis zum Detailhandelsspezialisten schaffen.
Der typische Weihnachtseinkäufer wolle so schnell wie möglich seine Sachen einkaufen und wieder nach Hause gehen, sagt Iseni. «Wir versuchen, so wenig Platz wie möglich einzunehmen. Die Regale aufzufüllen und sich praktisch unsichtbar zu machen, ist schon eine Herausforderung.» Vor Weihnachten werde viel eingekauft, manche Leute würden gar mit zwei Einkaufswagen losziehen. «Im Dezember ist manchmal ein solches Gedränge auf den Rollbändern, dass wir sie schon abstellen und mit Teppichen auslegen mussten, damit die Leute ihre Einkaufswagen schieben konnten.» Die typischen Winter-Abendessen, Käsefondue und Raclette, verkauften sich in der Käseabteilung eindeutig am besten. Eigentlich verkaufe sich jetzt alles sehr gut, sogar Glace. Die Kauflust der Leute kenne manchmal keine Grenzen.
Der Kontakt zu den Kunden beschränke sich auf Fragen nach Produkten, wo sich etwas befinde oder wenn etwas fehle. Was den Ton angeht, habe er schon alles erlebt, bis hin zu Beleidigungen. «Einer fluchte über die Migros und drohte, er werde ab jetzt im Coop einkaufen», erzählt Iseni. «Trotzdem kommt er immer wieder.»
Als Muslim feiert er Weihnachten nicht. Und auch Geschenke verteilt er erst am Bajram, dem dreitägigen Fest, das auf den Fastenmonat Ramadan folgt. Trotzdem besuche man sich an den vier Feiertagen gegenseitig, so dass auch er in den vorweihnächtlichen Tagen mit vollbepackten Tüten zu seiner Familie nach Hause geht.