HR Today | 04/2005 | Text: Guy Lang
Der Glaube, dass heute alles managbar ist, ist weit verbreitet. Man braucht nur eine Idee, einen Begriff oder eine Tätigkeit, hänge «-Management» an oder stelle «Management by» davor – und der Mist ist gekarrt. Der theoretische Unter- (oder Über-)bau ist schnell erfunden. Lieben Sie ein geselliges Frühstück? «Management by Breakfast» hilft weiter: Sie laden Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach am Morgen zu einer Sitzung ein, lassen – statt Kaffee und Gipfeli wie üblich – je nach Präferenz Müesli, Eier, Früchte oder Spiegeleier mit Speck servieren und besprechen, was anfällt. Begründen können Sie Ihr Tun mit «Teambildung», «Gesundheitsvorsorge in der Firma», «flache Hierarchie» oder so ähnlich. Erreichtes Ziel: Ihre Vorlieben werden befriedigt, Ihre Mitesser motiviert, und Ihr Geschäft läuft weiter. Als kreativer Chef fallen Ihnen sicher unendlich viele Methoden ein.
Klar gibt es Neider Ihrer systematischen Fantasie. Und die erfinden Führungsstile, die zwar nicht ernst gemeint, doch lustig sein sollen. Etwa «Management by Helicopter»: «Über den Dingen schweben, von Zeit zu Zeit auf den Boden kommen, viel Staub aufwirbeln, dann wieder ab in die höheren Sphären entschweben». Oder «Management by Harakiri»: «Souveräne und dauernde Missachtung aller Gegebenheiten». Schlicht blöd, nicht wahr? Ignorieren Sie diese Neider einfach. Was kümmert es die Karawane, wenn ein Hund sie anpinkelt? Oder so. Hauptsache, Sie sind sich Ihrer Sache sicher, haben Ihren Laden und Ihre Gewinnmargen im Griff. Denn darum geht es ja beim Management.
Wenn Sie allerdings einfach so locker-flockig neue Managementmethoden erfinden, geraten Sie bald in einen argen Konkurrenzkampf mit den Universitäten, Fachhochschulen und anderen Bildungsinstituten. Denn diese verlören ja ihre Kompetenz, wäre alles so simpel. Und die gelehrten Herren müssten neue Theoriespielwiesen suchen und erfinden. Also bleiben Sie doch lieber bei den gängigen Retention-, Case- oder Diversity-Management-Methoden. Sie sind bewährt und finden in weitesten Kreisen Akzeptanz und Anerkennung. Und Sie können Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haufenweise Fachliteratur zum Studium (in der Freizeit) abgeben.
Doch trotz all Ihrer Kreativität und Fantasie können Gefahren lauern. Planen Sie – der Frühling naht, Bäume, Triebe und Gefühle spriessen wieder –, eine engere Teamnähe mittels «Management by Love» zu etablieren? Bedenken Sie – neun Monate sind schnell vorbei. Und dann könnte es im nächsten Winter unter Umständen teuer werden!