HR Today | 03/2005 | Text: Marc Benninger

Kulturelle Vielfalt und Sensibilisierungsaktionen

Das Basler Pharma-Unternehmen Novartis mit seinen 10600 Mitarbeitenden aus 85 Nationen setzt sich seit dem Jahr 2000 mit Diversity-Projekten auseinander. Diversity-Aktivitäten schaffen ein attraktives Arbeitsumfeld und tragen zum Unternehmensgewinn bei, erklärt Katharina Amacker, Head of Diversity bei Novartis.

HR Today: Wie trägt Diversity zum Unternehmensgewinn bei?
Katharina Amacker: Es gibt drei gute Gründe, eine vielfältige Belegschaft zu beschäftigen. Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht uns das, eine breite Palette von Talenten anzusprechen. Zweitens sind wir ein Forschungsunternehmen, für das Innovation und Ideenreichtum essenziell sind. Studien haben bewiesen, dass gemischte Teams innovativer sind. Drittens haben wir eine grosse Vielfalt an Kunden, und um die Bedürfnisse unserer Kunden wirklich abdecken zu können, muss auch die Belegschaft möglichst vielfältig sein.

Wie definiert Novartis Diversity?
Novartis definiert den Begriff Diversity breit. Es geht uns darum, mit einer möglichst vielfältigen Belegschaft ein attraktives Arbeitsumfeld zu schaffen, das Energie freisetzt und Innovation erzeugt. Wir beziehen diese Vielfalt auf die Bereiche Herkunft, Geschlecht, Alter, Lebensform und Fähigkeiten.

Konkret – welche Diversity-Projekte setzen Sie um?
Im Jahr 2005 ist kulturelle Vielfalt das Diversity-Schwerpunkthema von Novartis in der Schweiz. Dabei wird die kulturelle Vielfalt mit verschiedenen Sensibilisierungsaktionen wie etwa Kochwochen, neue Kurse und Events behandelt. Wir haben zudem verschiedene Mentoring-Programme speziell für Frauen im Management, bei denen unter anderem die «Glasdecke» thematisiert wird. In einem anderen Projekt ging es um die Behebung der Lohndiskrepanzen bei Frauen. So wurden im Sommer 2004 insgesamt drei Millionen Franken auf 900 Frauen verteilt, um deren Lohn anzugleichen. Das Projekt Work-Life-Balance fördert flexible Arbeitsformen für Frauen und Männer. Ausserdem hat Novartis ein Diversity-Controlling mit vierteljährlichem Reporting implementiert und eine Globale-Diversity-Initiative ins Leben gerufen.

Was ist das WIN-Programm, das Sie anbieten?
Das Cross-Mentoring-Programm WIN (Women into Industry) ist eine Zusammenarbeit mit der Universität Basel. Ziel dieses Programms ist es, jungen Akademikerinnen der Universität Basel während eines Jahres einen vertieften Einblick in die Industrie zu ermöglichen und sie dadurch in ihrer Entscheidung zu unterstützen, ob sie eine Karriere in der Industrie anstreben oder eine andere berufliche Perspektive ins Auge fassen wollen.

Novartis realisierte ein Projekt für Homosexualität am Arbeitsplatz – arbeiten Homosexuelle anders?
Sich auch in der Öffentlichkeit für Homosexualität hinzustellen, braucht den Willen, ein Tabuthema anzugehen. Unsere Interessengruppe «Pink Molecules» griff die Idee einer ersten schweizerischen Konferenz auf, welche die Homosexualität in der Arbeitswelt thematisiert, und Novartis half mit, diese Idee im Jahr 2004 Realität werden zu lassen.

Haben Sie Quotenregelungen?
Nein, Quotenregelungen sind meiner Ansicht nach kontraproduktiv. Sie verpflichten einen dazu, ein bestimmtes Resultat erreichen zu müssen – notfalls auf Kosten der Qualität. Wir arbeiten jedoch zielorientiert.

Wie viel Zeit braucht es, bis Ergebnisse von Diversity-Projekten nachweisbar sind?
Für mich dauert es immer zu lange, aber ich bin etwas ungeduldig. Wichtig ist, dass das Kader hinter den Projekten steht und dass es klare Zielvorgaben gibt, dann geht es auch schneller. Wenn die Erfolge der Programme zusätzlich mit Boni honoriert werden, dauert die Umsetzung normalerweise auch nicht so lange. Geschwindigkeit allein ist jedoch noch keine Erfolgsgarantie.

Werden Mitarbeitende zum Thema Diversity geschult?
Die Aus- und Weiterbildungsabteilung von Novartis in der Schweiz bietet seit Anfang 2005 zwei Diversity-Kurse zum Thema kulturelle Vielfalt an. Das eintägige Trainingsprogramm richtet sich an Mitarbeitende, die in einem multikulturellen Umfeld arbeiten. Das zweitägige Programm richtet sich an Mitarbeitende, die in einem multikulturellen Umfeld Führungsaufgaben innehaben. Seit Jahren bietet Novartis auch Kurse für ältere Mitarbeitende an, um sich auf die Pensionierung vorzubereiten. Ausserdem gibt es verschiedene Kursangebote, die speziell auf Frauen zugeschnitten sind.

Wie wird das Thema Diversity bei Novartis im Ausland gelebt?
Gleich mehrere Länder verfolgen das Ziel, die Anzahl der Frauen in Managementfunktionen zu erhöhen. In Spanien war Novartis schon in den letzten drei Jahren besonders aktiv bei der Erhöhung des Frauenanteils in Führungsfunktionen. In den USA konzentrieren sich die Projekte in erster Linie auf die ethnische und nationale Zugehörigkeit der Mitarbeitenden, was aus der Geschichte der USA abzuleiten ist, und die Präsenz der Frauen im Management.
mb, mr

 
 
 

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