HR Today | 09/2005 | Text: Martin J.Eppler
Auf dem Gebiet der Moderation hat sich in den letzten Jahren viel getan. So wurden beispielsweise neue Methoden entwickelt. Zudem erleichtern technische Innovationen der Moderationswerkzeuge die Durchführung von Workshops und Sitzungen. Eine Übersicht zeigt die breit gefächerte Palette der Möglichkeiten.
Die zielorientierte und gleichzeitig flexible Moderation von Workshops und Sitzungen mit Partnern, Teams oder Grossgruppen in einem Problemlösungs- oder Entscheidungsprozess ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Sie erfordert nebst Fachwissen, Einfühlungsvermögen und einem tiefen Verständnis von Gruppendynamik auch Kenntnisse über moderne Moderations- und Visualisierungsmethoden. In den letzten Jahren hat sich dieses Gebiet sowohl methodisch wie auch technologisch stark weiterentwickelt. Im Folgenden wird auf einige Innovationen der Moderation aufmerksam gemacht, und bewährte Ansätze und Erfolgsfaktoren werden kompakt zusammengefasst.
Moderne Moderationsmethoden können anhand von drei Kriterien unterschieden werden:
1. nach Moderationsziel (auch Anwendungskontext genannt, beispielsweise Strategieentwicklung, Problemanalyse, Brainstorming, Entscheidungsfindung)
2. nach Teilnehmerzahl (Kleingruppe, Team, Grossgruppe, Community)
3. nach Moderationsmedium (von physisch, etwa Pinwand oder Laptop, bis zu rein virtueller Durchführung, beispielsweise via PC-Desktop und Internetkonferenz).
Je nach Ziel, Teilnehmerzahl und verfügbarem Medium sind unterschiedliche Moderationsmethoden sinnvoll. Die Methoden sind entweder einfache Einzelvorlagen zur Unterstützung einer Workshop-Situation oder vordefinierte Schrittabfolgen für die Dramaturgie eines Gesamtworkshops. Der erste Typ von Methode besteht aus grafischen Strukturierungshilfen, die es Moderatoren erlauben, Diskussionen lösungsorientiert zu strukturieren. Beispiele für derartige Vorlagen sind etwa: Stimmungsbarometer, Force Field, Ladder of Inference, Stakeholderkarte oder auch ein einfacher Massnahmenplan (wer/macht was/bis wann). Eine Übersicht derartiger Vorlagen ist unter www.lets-focus.com zusammengestellt. Der zweite Typ von Moderationsmethode ist komplizierter und braucht bis zu drei Tage Zeit. Zudem benötigt er auch mehr (räumliche, personelle und technische) Ressourcen. Tabelle 1 vereinigt einen Überblick über moderne, innovationsfördernde Moderationsmethoden dieser Art und erläutert deren Grundprinzipien.
Eine vergleichende Analyse dieser Methoden zeigt, dass es einige generelle Erfolgsfaktoren von innovationsfreudigen Moderationsmethoden gibt. Moderationsprinzipien, die sich bewährt haben, sind:
• Lösungsorientierung: Die Moderation muss auf etwas aufbauen, das funktioniert und positiv ist. Sie sollte nicht nur problematisieren.
• Prototypen bauen: Die Moderation sollte zur raschen Erstellung von gemeinsamen und sichtbaren Ansätzen führen, die dann schrittweise verbessert werden können.
• Vertrauensbildung vor Konflikt: Die Moderation muss auf verschiedenen Ebenen (Umfeld, Teilnehmerbeziehungen, Methode) Vertrauen und Identität schaffen.
• Multi-Perspektiven: Die Moderation muss viele unterschiedliche Perspektiven zulassen und verbinden.
• Freiwilligkeit/Marktprinzip: Die Teilnehmer sollen sich dort engagieren, wo ihre Prioritäten oder Präferenzen liegen.
• Überlappungsprinzip: In Grossgruppen sollte die Moderation sicherstellen, dass überlappende beziehungsweise wechselnde Gruppen gebildet werden.
Als Hauptvorteil der aufgeführten Methoden kann ihr konstruktives, partizipatives und soziales Workshop-Design genannt werden, das allen Beteiligten die Möglichkeit gibt, sich kreativ einzubringen und auszutauschen. Bei einigen Methoden ist der zeitliche Aufwand ein Nachteil (bei Team Syntegrity, Real Time Strategic Change oder Lego Serious Play).
Die bisher aufgeführten modernen Methoden enthalten teilweise auch neue Moderationswerkzeuge. Diese softwarebasierten Instrumente dienen vor allem der Vorbereitung (inklusive Simulation), Visualisierung und Dokumentation von Workshops. Die meisten dieser Lösungen eignen sich für die beamergestützte Moderation ebenso wie für die internetbasierte Moderation von virtuellen Sitzungen. Für virtuelle, verteilte Workshops sind Programme wie etwa www.livemeeting.com von Microsoft oder Macromedias www.breeze.com, www.ezmeetings.com oder www.webex.com jedoch notwendig.
Diese Programme lösen einige Probleme von traditionellen Moderationsansätzen elegant, etwa die komplizierte Vorbereitung, die schwere Lesbarkeit von Kartenbeiträgen, mühsame Korrekturen oder die aufwändige Nachbereitung und Dokumentation. Einige dieser Programme bieten zudem Vorlagen mit bewährten Moderationsmethoden an (so etwa Inspiration und let’s focus). Die Kosten sind dabei vergleichsweise gering: Einzellizenzen kosten zwischen 200 und 600 Franken. Die grösste Hürde für neue Moderationsformen ist somit nicht der Preis, sondern die mangelnde Innovations- und Experimentierfreude der Moderatoren selber. Anwendungstest und Erfolgserlebnisse in kleinem Rahmen können jedoch rasch Akzeptanz für grössere und regelmässige Einsätze schaffen.