Donnerstag, 09.02.2012

Konsumentenstimmung besser - Detailhändler skeptischer


Das Konsumklima in der Schweiz hat sich leicht erholt. Dieses positive Signal bedeutet aber noch keine Trendwende, sondern eine Stabilisierung auf tiefem Niveau. Skeptischer als die Konsumenten blicken inzwischen die Detailhändler in die Zukunft.


Die Schweizer Konsumenten sind wieder etwas optimistischer, dies obwohl die Konjunkturforscher im laufenden Winterhalbjahr von einer leichten Rezession sprechen. Der vierteljährlich berechnete Index zur Konsumentenstimmung lag im Januar bei -19 Punkten, nach -24 Punkten im Oktober, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) am Donnerstag mitteilte. Vor einem Jahr hatte der Index noch bei plus 10 gelegen.
 
Ausschlaggebend für die geringe Aufhellung im Januar 2012 waren positivere Erwartungen zur konjunkturellen Entwicklung und zur persönlichen finanziellen Lage der Haushalte. Bei den Aussichten zu den Arbeitslosenzahlen stagnierten die Einschätzungen hingegen und die Beurteilung der eigenen zukünftigen Sparmöglichkeiten fiel nur unwesentlich besser aus. Insgesamt verharrte das Konsumklima unter dem langjährigen Mittelwert.
 

Kleine Überraschung

 
Überrascht zeigte sich Michael Grass von der Konjunkturforschungsstelle BAK Basel. Die Einschätzung der nächsten 12 Monate sei deutlich weniger pessimistisch als noch vor drei Monaten. Insgesamt bedeute dies eine Stabilisierung: Die Beurteilung der Gegenwart habe sich nicht mehr massgeblich verschlechtert und die Konsumenten blickten weniger pessimistisch in die Zukunft.
 
Von einer "marginalen Verbesserung auf einem tiefen Niveau", sprach Bruno Parnisari, Chef des Bereichs Konjunktur beim SECO. Die Situation bleibe aber fragil.
 
Auch Grass bestätigt: "Das ist kein Signal, dass die Konsumenten total optimistisch sind. Die Zahlen bedeuten keine Trendumkehr." Insgesamt stehe immer noch ein Minus vor dem Index. Die Zahlen seien aber als Zeichen dafür zu werten, dass die Unsicherheit nicht mehr ganz so gross sei.
 
Als "gutes Zeichen" wertet Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF, dass sich die Konsumentenstimmung nicht weiter verschlechtert hat. "Leicht überraschend" sei, dass sie sogar besser geworden sei.
 
Die Konsumentenstimmung wiederspiegle damit die Tatsache, dass sich die Stimmung in der gesamten Wirtschaft ebenfalls ganz leicht verbessert habe, wie die neusten Umfrageergebnisse der KOF-Konjunkturumfrage zeigten.
 

Detailhändler erwarten härtere Zeiten

 
Überraschend ist für den KOF-Leiter allerdings die grosse Skepsis der Detailhändler, die mit noch härteren Zeiten rechnen. Erklären lässt sich die positivere Stimmung der Konsumenten laut Sturm damit, dass "die Schweizer Konsumenten gelernt haben, über die Grenze zu gehen". Die Detailhändler hätten keine Ausweichmöglichkeiten.
 
In ihrer Konjunkturumfrage stellt die KOF fest, dass die Wirtschaftslage in der Schweiz angespannt bleibt: Die Geschäftslage der Schweizer Unternehmen verschlechterte sich in den letzten Monaten weiter. Vor allem stark exportorientierte Branchen vermelden Ergebnisse, die eine Rezession anzeigen. Als "anhaltend gut" haben dagegen die binnenmarktorientierten Unternehmen ihre Lage empfunden.
 

Unsichere Aussichten

 
Die Schweiz habe vielleicht den konjunkturellen Tiefpunkt jetzt erreicht und es dürfte langsam wieder besser werden, stellt der KOF-Leiter auf Anfrage fest. Dies bedeute aber nicht dass die Wachstumsraten schlagartig positiv würden.
 
Kritisch bleibt für die BAK Basel die Sicherheit der Arbeitsplätze. Die Kauflaune der Konsumenten werde in den nächsten Monaten nicht gross sein, da sich die Einkommen moderat entwickelten und die Arbeitslosigkeit weiter zunehmen werde. Insgesamt ergebe sich kein positives Bild, so Grass.
Auch der Chefökonom der VP Bank, Jörg Zeuner, gibt zu bedenken, dass sich im Vergleich zur Vorperiode die wirtschaftlichen Aussichten für die Schweiz spürbar eingetrübt hätten. Die hohe Abhängigkeit von der wachstumsschwachen Eurozone und der starke Franken machten sich zunehmend bemerkbar.
 
In Kombination mit deflationären Tendenzen seien die Haushalte geneigt den Konsum weiter in die Zukunft zu verschieben. Die erfolgte Trendwende am Arbeitsmarkt sorge neuerdings für eine zusätzliche Verunsicherung der Konsumenten. Die privaten Haushalte werden ihren Konsum trotz Stimmungsaufhellung vorerst weiter zurückhalten.
 
Sicher dürfte auch sein, dass eine Ankündigung weiterer schlechter Nachrichten im Zusammenhang mit der EU-Schuldenkrise einen neuerlichen Rückgang der Konsumentenstimmung provozieren könnte.

 
 
 

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