Donnerstag, 02.02.2012

Schweizer Giessereien trotzen 2011 der Eurokrise

Trimbach SO (sda) Die Schweizer Giessereien haben 2011 der Frankenstärke lange trotzen können. Trotz Einbussen zum Jahresende stieg der Absatz um 10,9 Prozent auf 87'180 Tonnen. Der Umsatz der 54 im Giesserei-Verband zusammengeschlossenen Firmen erreichte rund 1,15 Mrd. Franken.

Die Steigerung wurde vor allem in den ersten drei Quartalen erwirtschaftet. Verantwortlich dafür waren in erster Linie die Nachfrage für Gussteile im Auto- und Nutzfahrzeugbau sowie in der Energie- und Medizinaltechnik. Das sagte Verbandspräsident Eric von Ballmoos am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz bei der Giesserei R. Nussbaum in Trimbach SO.

Stark abgenommen haben aber die Aufträge aus der Maschinen- und Elektroindustrie sowie aus dem Werkzeug- und Apparatebau. Ähnlich wie in der Finanzwirtschaftskrise 2008 und 2009 wurde in diesen Branchen kaum in neue Anlagen investiert.

Von einem ins andere Extrem

Die wirtschaftlichen Berg- und Talfahrten folgten sich in immer kürzeren Zyklen: "2009 befanden wir uns in einer tiefen Krise, 2010 und vor allem 2011 wieder in einem extremen Hoch, das 2012, so scheint es, in eine erneute Krise umschlägt", sagte von Ballmoos, der auch Chef der Benninger Guss AG in Uzwil SG ist.

Die Giessereien, die ihre Produkte zu 80 Prozent exportieren, seien einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb und Preiskampf ausgesetzt. "Aufträge werden immer kurzfristiger vergeben." Auch langjährige Kunden kauften Gussteile vermehrt in der EU und im Dollarraum ein.

Im vierten Quartal 2011 sei die Nachfrage, abgesehen vom Stahlguss, bei allen anderen Gusswerkstoffen um 5 bis 23 Prozent tiefer gewesen als ein Jahr zuvor. Auch die Profitabilität geriet unter Druck. Laut von Ballmoos arbeiten bereits gegen 40 Prozent der Firmen an oder unter der Gewinnschwelle.

Innovation entscheidend

Und für 2012 befürchtet die Branche einen Umsatzrückgang von 5 bis 10 Prozent. Damit es weiterhin nicht zu einer Entlassungswelle oder Produktionsverlagerungen ins Ausland kommt, brauche es flexible Arbeitszeitmodelle, konkurrenzfähige Strompreise und einen Franken-Euro-Kurs von mindestens 1,30 Franken, sagte von Ballmoos.

Entscheidend für den Erfolg seien Innovation und Qualität. Dies erfordere moderne Produktionsanlagen und gut ausgebildete Fachkräfte. Neu startet an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit einem Zertifikatslehrgang (CAS) erstmals in der Schweiz eine Hochschulausbildung in Giessereitechnik.

Mit Innovation will sich auch die Gastgeberin der Medienkonferenz behaupten, die Giesserei Nussbaum, die nach eigenen Angaben mit Wasserarmaturen in jedem zweiten Keller der Schweiz präsent ist.

Der Vorsprung auf Konkurrenten bestehe etwa bei selbstreinigenden Filtern, verengungs-freien Rohrverbindern und einer App, welche Benutzerhandbücher und Kataloge ersetze, sagte Geschäftsleiter Urs Nussbaum. Das 1903 gegründete Familienunternehmen zählt heute rund 390 Angestellte, hat in den letzten Jahren kräftig expandiert und erzielt nun einen Umsatz von 178 Mio. Franken.

 

 
 
 

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