Montag, 19.09.2011

AMOSA will Stellensuchende für Pflegeberufe gewinnen

Zürich (sda) Trotz hoher Nachfrage nach Personal gibt es bei den Gesundheits- und Pflegeberufen immer wieder Arbeitslose. Als häufigste Gründe für den Stellenverlust nennen Betroffene Konflikte im Arbeitsteam, gesundheitliche Erschöpfung und harte Arbeitsbedingungen.

Zu diesem Befund kommt eine Studie zum "Rekrutierungspotenzial von Stellensuchenden für das Gesundheitswesen" der Arbeitsbeobachtung Ostschweiz (AMOSA), die am Montag in Zürich vorgestellt wurde. Zum AMOSA-Gebiet gehören die Kantone Aargau, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich.

Gemäss der Erhebung waren 2010 in den AMOSA-Kantonen etwa 6000 Stellensuchende mit Gesundheitsberufen gemeldet. Zu über 80 Prozent waren es Frauen, mehrheitlich Schweizerinnen, die zuvor in Pflegeberufen gearbeitet haben und mittelmässig bis gering qualifiziert sind, wie Angelo Welti, der stellvertretende Leiter der AMOSA, ausführte.

Über 10 Prozent steigen aus

Rund 11 Prozent oder 655 Personen der von AMOSA befragten Personen gaben an, den Ausstieg aus ihrem Beruf anzustreben. Als Gründe genannt worden seien vor allem ein schlechter Gesundheitszustand und allgemeine Erschöpfung durch die Arbeit, sagte Welti.

Die Aussteiger seien aber auch unterdurchschnittlich qualifiziert und eher älter. Aufgrund persönlicher Defizite habe diese Gruppe von Stellensuchenden nur geringe Chancen auf einen Wiedereinstieg in den angestammten Beruf.

Etwa 2000 Stellensuchende zeigten Interesse an einem Neueinstieg in Gesundheitsberufe. Es seien vor allem Frauen, die sich beruflich neu orientieren wollten und vor der Arbeitslosigkeit Berufe im Gastgewerbe, in der Fürsorge oder in der Erziehung ausgeübt haben, hiess es an der Medienkonferenz. Der Einstieg dieser Gruppe in Pflegeberufe werde als günstig beurteilt.

Laut Welti wird im Gesundheits- und Pflegebereich heute vor allem qualifiziertes und spezialisiertes Personal benötigt. Weniger gut Qualifizierte hätten jedoch durchaus Chancen in der Langzeitpflege und in der externen Betreuung (Spitex). Die Alters- und Pflegeheime benötigten bis 2020 rund 15'000 zusätzliche Mitarbeitende, sagte Monika Weder vom Verband Heime und Institutionen Curaviva.

Potenziale besser nutzen

Die Studie habe gezeigt, dass unter den Stellensuchenden ein nicht unerhebliches Rekrutierungspotenzial für das Gesundheitswesen vorhanden sei, stellte der Thurgauer Volkswirtschaftsdirektor und Regierungspräsident Kaspar Schläpfer fest. Dieses Potenzial gelte es angesichts der steigenden Nachfrage durch geeignete Massnahmen besser zu nutzen.

Angeregt werden in der Studie etwa der Ausbau von Berufspraktika, die Verbesserung der Möglichkeiten der Qualifizierung sowie die Prüfung der individuellen Eignung der Stellensuchenden für Gesundheitsberufe. Gefördert werden müssten aber auch Angebote für Quer- und Wiedereinsteigerinnen, sagte Roswita Koch vom Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen- und -männer (SBK).

Um den grossen Bedarf an gut qualifiziertem Personal in den nächsten Jahren decken zu können, will sich die AMOSA beim Bund für die erleichterte Vergabe von Ausbildungzuschüssen einsetzen. Dies könne den Einstieg von Erwachsenen in einen Gesundheitsberuf erleichtern, erklärte Koch. Finanziert werden sollen die Zuschüsse durch die Arbeitslosenversicherung.

Mehr Pflegepersonal im Inland rekrutieren

Der Spitalverband H+ begrüsst eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Arbeitsmarktbehörden, Spitälern und Pflegeinstitutionen. Stellensuchende, die sich beruflich umorientieren wollten, bildeten für die Betriebe des Gesundheitswesens ein wichtiges Rekrutierungspotenzial.

Ein massgebender Teil des Personalbedarfs in den Spitälern werde heute mit ausländischen Mitarbeitenden aus Deutschland, Österreich und Frankreich gedeckt. Wegen des europaweiten Mangels an ausgebildetem Pflegepersonal drängten sich Korrekturmassnahmen auf.

Das inländische Potenzial müsse besser ausgeschöpft werden, schreibt der Verband in einer Stellungnahme zur AMOSA-Studie, an der er selber mitgewirkt hat. Die pflegerische Versorgung lasse sich auf Dauer nicht auf Kosten anderer Länder lösen.

 
 
 

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